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In bis zu 12 Meter Tiefe entstand im Tunnelvortrieb der Stauraumkanal.

218 Stahlbetonrohre wurden verbaut.

Gegossen, geschleudert, getrocknet und gehärtet: die Stahlbetonvortriebsrohre bleiben 3 Tage in der Form.

Jedes Rohr hat einen Außendruchmesse von 4,50 m, 3 m Länge und ein Gewicht von fast 32 t.

Die Rohren gehen auf die Reise nach Berlin.

Startschuss für den Rohrvortrieb.

BERDING BETON liefert Stauraumkanal für Berliner Mauerpark

Außergewöhnlicher Rohrvotrieb in FBS-Qualität realisiert
Mitten im Herzen der deutschen Hauptstadt wird seit Ende 2017 ein auch für eine Metropole wie Berlin außergewöhnliches Abwasserprojekt verwirklicht. In bis zu 12 Meter Tiefe entsteht ein Stauraumkanal von rund 650 Meter Länge und zwar direkt unter dem Mauerpark, einer Parkanlage, wo früher die Berliner Mauer stand. Bereits seit den 1990er Jahren haben die Berliner Wasserbetriebe (BWB) ein unterirdisches Hochwasserschutzprogramm initiiert, in dessen Rahmen Auffangbecken und Stauraumkanäle geschaffen werden. Sie dienen der Bewältigung großer Wassermassen, wenn bei starkem oder anhaltendem Regen die Kapazitäten der Pump- und Klärwerke erschöpft sind. Das temporäre Speichern von großen Schmutzwasser-Mengen verringert außerdem das Einfließen in die Berliner Gewässer und verhindert so unerwünschte Verunreinigungen von Spree und Panke. Langfristig sollen bis 2024 rund 300.000 m³ unterirdische Abwasserstauräume in Berlins Kanalisation geschaffen werden, etwa 240.000 m³ sind bisher umgesetzt.

Im Auftrag des Bauherrn, den Berliner Wasserbetrieben (BWB), werden mit der Baumaßnahme im Mauerpark die Kapazitäten erneut erhöht: Seit Dezember 2017 laufen die Arbeiten im Stadtteil Prenzlauer Berg, inmitten der Innenstadt, um Berlins größten Stauraumkanal zu schaffen – mit einem Fassungsvolumen von 7.400 Kubikmetern. Der 654 Meter lange unterirdische Stauraumkanal wird an das bestehende Abwassersystem angebunden. Regen und Abwasser aus den Haushalten fließen als sogenanntes Mischwasser in den Kanal. In dem angeschlossenen Stauraum sammelt sich bei Unwettern mit starken Regenfällen das überschüssige Wasser – sozusagen als „Parkplatz“ für Abwasser. Von hier aus wird es anschließend ins Klärwerk gepumpt.

Die Dimensionen des neuen Kanals sind riesig und erforderten planerische und logistische Höchstleistungen. Mit der fachgerechten Bauüberwachung wurde die Firma Babendererde Engineers beauftragt. Die Bauausführung übernahmen als „Arbeitsgemeinschaft Mauerpark“ die Firmen Wayss & Freytag Ingenieurbau AG aus Frankfurt sowie Stehmeyer und Bischoff Berlin, die mit ihren Erfahrungen und ihrem Know-how bei der Auftragsvergabe punkten konnten. Sie mussten sich bei dem 20 Millionen teuren Projekt, das zu 60 % vom Land Berlin und zu 40 % von den Berliner Wasserbetrieben finanziert wird, mehreren Herausforderungen stellen. So galt es bei der Planung und Umsetzung zum einen die geringe zur Verfügung stehende Fläche, die Innenstadtlage sowie die Parknutzung durch viele Menschen zu berücksichtigen. Auch der Weiterbetrieb der sich in unmittelbarer Nähe befindenden Tram Line M10 musste gewährleistet bleiben und eine weitere Aufgabe war die Erarbeitung von Rettungskonzepten für den Notfall.

Aufgrund dieser natürlich existierenden Projektparameter entschied sich der Bauherr sehr schnell, einen Rohrvortrieb als am besten geeignetes Bauverfahren auszuschreiben. Dank der damit einhergehenden unterirdischen Baumaßnahmen werden die Einschränkungen für Mensch und Umwelt relativ gering gehalten. Mit Hilfe einer leistungsstarken über 100 Tonnen schweren Vortriebsmaschine entstand in 8-12 Meter Tiefe Stück für Stück der Tunnel für den neuen Stauraumkanal. Rund 20.000 Tonnen gelöster Boden wurden an die Oberfläche befördert. Die erfahrenen Fachfirmen mussten bei den Bohrungen auch die geologischen Gegebenheiten in ihre Planungen einbeziehen wie vorhandenen Geschiebemergel und Feinsand mit drückendem Schichtenwasser. Direkt hinter der Tunnelbohrmaschine der Firma Herrenknecht wurden hochwertige Stahlbetonrohre durch hydraulisch betriebene Vorschubzylinder in den erstellten Tunnel nachgeschoben.

Die Stahlbetonrohre wurden speziell für dieses Bauvorhaben nach individueller Vorgabe, unter Berücksichtigung der geologischen Bedingungen und in Übereinstimmung mit den technischen Regeln der Abwasserbetriebe Berlin geplant und hergestellt. Mit der Fertigung der Stahlbetonrohre wurde die Firma BERDING BETON beauftragt, die ein Spezialist auf diesem Gebiet ist und mit der entsprechenden Expertise die besonderen Anforderungen dieses Großprojekts erfüllen konnte. Im BERDING BETON Werk in Badeborn wurden 218 Stahlbeton-Vortriebsrohre von je 3 Metern Länge, einem Innendurchmesser von 3,85 Metern (DN 3850), einem Außendurchmesser von 4,50 Metern (DA 4500) sowie einem Einzelgewicht von 32 Tonnen produziert. Das Werk am Standort Badeborn konnte dem Kunden dank jahrzehntelanger Erfahrung mit so anspruchsvollen Spezialtiefbauarbeiten wie im Mauerpark eine professionelle Umsetzung garantieren.

Entsprechend der hohen Qualitätsansprüche wurden die Abwasser- und Kanalrohre aus säurewiderstandsfähigem Beton C60/75 (SWB®) gefertigt. Eingesetzt wurden nur in der Schalung erhärtete Rohre, die eine besonders hohe Maßgenauigkeit und glatte Oberfläche der Rohre gewährleisten, was den Vorteil einer geringen Mantelreibung während des Vortriebs hat. Damit die tonnenschweren Rohrsegmente besser durch das Erdreich gleiten, sind sie jeweils mit mehreren Bentonitstutzen ausgestattet, die eine vortriebsbegleitende Bentonitschmierung ermöglichen. Ferner sorgen Dehnerstationen für einen reibungslosen Vortrieb. Gekammerte Keilgleitringdichtungen sichern die einwandfreie Funktion der Rohrverbindungen während der Vortriebsarbeiten. Außerdem gewährleisten sie nach der Inbetriebnahme die geforderte langlebige Dichtheit des Bauwerkes in den folgenden Jahrzehnten.

Allein der Transport der Vortriebsrohre mit ihren außergewöhnlichen großen Außenmaßen und dem hohen Gewicht vom Werk Badeborn zur Baustelle in Berlin erforderte eine ausgeklügelte und professionelle Logistik. Nicht nur weil der Anfahrtsweg durch drei Bundesländer ging, sondern vor allem auch, weil strenge Vorschriften strikt eingehalten werden mussten. So durfte der Schwerlasttransport nur nachts von 22 Uhr bis 5 Uhr und mit Polizei-Begleitung erfolgen.

Umso erfreulicher, dass der grabenlose Rohrleitungsbau problemlos innerhalb von drei Monaten umgesetzt werden konnte. Als besonderen Höhepunkt durften nach der Fertigstellung an einem Wochenende Ende Oktober alle Interessierten den Stauraumkanal besichtigen. Alleine am Samstag nutzten 3.000 Besucher diese Chance, sich bei einer unterirdischen Begehung ein eigenes Bild zu machen.

Ab Ende 2019 soll der Stauraumkanal in Betrieb gehen. Der Einbau eines Entleerungspumpwerks im Bereich Gleimstraße, Verbindungsbauwerke zu den Kanalisationsgebieten beiderseits des Mauerparks sowie der Einbau von 19 Zwischenschächten für Einstieg, Reinigung und Belüftung gehören ebenfalls zum umfangreichen Großprojekt. Hier laufen noch die Arbeiten.

Christoph Semrock, Oberbauleiter der Baustelle Berlin Mauerpark, ist sehr zufrieden mit dem bisherigen Projekt-Verlauf: „Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten hat hervorragend geklappt und die Abläufe sind Hand in Hand erfolgt. Unser großer Vorteil war, dass alle Partner sehr erfahren sind, was nicht nur eine hohe Qualität aller Arbeiten zur Folge hat, sondern auch einen nutzbringenden Austausch und wertvolle Hinweise während der gesamten Projektphase. Denn gerade bei so einem Großprojekt ist es von äußerster Wichtigkeit, dass alle Kriterien bedacht und beachtet werden.“

Und auch die Berliner Wasserbetriebe ziehen ein positives Fazit: „Unsere Strategie, die Infrastruktur stadtverträglich zu erneuern und auszubauen ist mit dem Bau des Stauraumkanals aufgegangen“, so der Bauleiter seitens der Berliner Wasserbetriebe Frank Etzhold. „Dank des grabenlosen Verfahrens konnte die Maßnahme ohne große Beeinträchtigung von Mensch, Tier oder Pflanzenwelt umgesetzt werden.“

Text und Fotos: Henric Schwarberg

 

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