FBS Rohre

08.12.2017
News & Aktuelles

FBS-Geschäftsführer Erich Valtwies blickt zufrieden zurück auf die Arbeit der Fachvereinigung in den letzten 30 Jahren, sieht aber auch Herausforderungen, denen sich die FBS in Zukunft stellen muss. | Foto: B_I / Valdix

Rund 50 Personen, größtenteils von FBS-Mitgliedsunternehmen inklusive Begleitungen, feierten mit zusammen mit der Fachvereinigung ihr 30-jähriges Bestehen auf der „MS Diva“ in Berlin. | Foto: B_I / Valdix

FBS feiert 30-jähriges Jubiläum auf der Spree

Qualität, Potenziale und Herausforderungen

Die Fachvereinigung Betonrohre und Stahlbetonrohre e.V. (FBS) hat am 28. September in Berlin ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. Anlässlich dieses runden Geburtstages hat die B_I umweltbau mit FBS-Geschäftsführer Erich Valtwies über die Bedeutung und Herausforderungen sowie über Werkstoffeigenschaften von Betonrohren/-schächten und deren Potenziale gesprochen.

„Es ist im Laufe der Zeit eine große Familie aus Mitgliedern und Fördermitgliedern entstanden“, sagte Erich Valtwies bei seiner Begrüßungsansprache im Rahmen der Jubiläumsfeier der FBS. Passend dazu wurde für die Feier ein kleiner gemütlicher Rahmen gewählt: eine Spreefahrt auf der „MS Diva“. Das kam bei den rund 50 Teilnehmern gut an und auch das Wetter spielte mit.

Herr Valtwies, die FBS ist nun 30 Jahre alt. Was sind für Sie die wichtigsten Entwicklungsschritte der Fachvereinigung?

Valtwies: Seit 30 Jahren dreht sich bei der FBS alles um die FBS-Qualität von Rohren und Schächten. Die technische Weiterentwicklung, die Festlegung von Qualitätsstandards und die laufende Qualitätsverbesserung der Produkte war anfänglich die wichtigste Aufgabe der Fachvereinigung Betonrohre und Stahlbetonrohre e.V. Mit einem entsprechenden Werbekonzept ist man bundesweit aufgetreten. Die 1989 erstmals veröffentlichte „FBS-Qualitätsrichtlinie“ dokumentierte den hohen Qualitätsstandard der Produkte, den Planer, Auftraggeber und Bauausführende damals wie heute zu schätzen wissen. Die FBS- Qualitätsrichtlinien sind die Grundlage für die Herstellung und Prüfung von nachhaltigen, dauerhaften, umweltgerechten und wirtschaftlichen Kanalsystemen aus Beton und Stahlbeton. Die Beurteilung der Konformität (Gütesicherung), bestehend aus Erstprüfung, werkseigener Produktionskontrolle und Fremdüberwachung, ist fester Bestandteil des FBS-Qualitätssicherungssystems und garantiert auch in Zukunft vor dem Hintergrund der Öffnung der Märkte, wo keine Fremdüberwachung mehr gefordert wird, eine hohe Qualität.

Ihr größter „Gegenspieler“ sind die Kunststoffrohr- bzw. Kunststoffschachthersteller. Diese werben mit dem einfachen Handling ihrer Produkte auf der Baustelle. Ein klarer Vorteil gegenüber Betonrohren- bzw. -schächten?

Nach der BG-Bau, Baustein-Merkheft „Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz am Bau“ liegen die empfohlenen Werte zu Lastgewichten beim Heben und Tragen für Männer bei 12-15 kg. Die von der Kunststoffindustrie angegebenen Gewichte für Unterteile und Schachtringe liegen erheblich über den von der BG angegebenen Werten. Für die Herstellung des Leitungsgrabens und den Verbau ist in der Regel sowieso schweres Gerät erforderlich. Das Gerät wird für das Handling gebraucht, da das Tragen im Leitungsgraben bei den beengten Verhältnissen, z.B. durch Verbaustreben, nur schwer möglich ist.

Manch ein in die Jahre gekommener Betonschacht weist vereinzelt Schäden wie z.B. Risse oder Oberflächenabrasion auf. Welche Ursachen haben Ihrer Meinung nach derartige Schadensbilder?

Mit der Einführung der DIN 4034 Teil 1 im September 1990 werden nur noch Schachtfertigteile mit Muffe und Spitzende zur Verwendung von Dichtmitteln aus Elastomeren hergestellt. Die Wanddicken der Schachtunterteile und Schachtaufbauteile sind erhöht worden. Die heutigen Undichtigkeiten beziehen sich im Wesentlichen auf Schächte, die vor 1990 eingebaut wurden. Die Verbindung war eine Falzverbindung, die mit Mörtel abgedichtet wurde und die Wanddicke betrug nur 90 mm. Die alte Norm ist heute die DIN 4034-2. Das sind Schächte für Brunnen- und Sickeranlagen. Für Abwasseranlagen gilt heute die DIN 4034-1.

Mit der Oberflächenabrasion meinen Sie sicherlich strukturierte Oberflächen, die üblicherweise bei Bauwerken vorzufinden sind, die durch biogene Schwefelsäurekorrosion geschädigt worden sind. Unabhängig vom Rohrwerkstoff müssen wir alles tun, um eine biogene Schwefelsäurekorrosion zu vermeiden, die allerdings nur beim Zusammenkommen einiger ungünstiger Randbedingungen entsteht. Abwasser, das durch Schwefelsäure belastet wird, beeinträchtigt die Reinigungsleistung der Kläranlage, da die Mikroorganismen der biologischen Reinigungsstufen nur bei pH-Werten um 7 Schadstoffe effizient abbauen.

In erster Linie hat der Planer dafür zu sorgen, dass eine biogene Schwefelsäurekorrosion verhindert wird. Er hat für eine ausreichende Be- und Entlüftung und ausreichende Schleppspannung zu sorgen. Der Betreiber hat die Vorgaben zu überwachen und dafür zu sorgen, dass die Kanäle und Schächte regelmäßig nach Bedarf gespült werden. Anzumerken bleibt noch, dass die biogene Schwefelsäurekorrosion nur eine untergeordnete Rolle spielt. Es sind ca. 3-5 % der Kanäle davon betroffen.

Worin sehen Sie bei Betonrohren/-schächten die größten Vorteile bzw. das meiste Potenzial für die Zukunft?

Der wichtigste Punkt für Betonrohre und -schächte ist die Nachhaltigkeit. Dazu gehört die 100%ige Recycelbarkeit. Da Beton mineralisch ist, können unsere Ozeane, wie bei Plastikmüll, nicht langfristig verschmutzt werden. Zur Nachhaltigkeit gehört aber auch die Möglichkeit der Instandsetzung. Bei Beton sind fast alle Instandsetzungsverfahren möglich, die ihre Verwendbarkeit nachgewiesen haben, wie der IKT-Warentest Schachtsanierung „Vergleichende Produkt- und Verfahrensbewertung von Auskleidungs- und Beschichtungssystemen zur Sanierung von Abwasserschächten“ zeigt. Dies ist bei anderen Werkstoffen nicht der Fall.

Ein weiterer Vorteil ist die Robustheit von Betonrohren und -schächten beim Handling auf der Baustelle.

Sehr großes Potential haben die monolithisch hergestellten Schachtunterteile. Die Ausführung des Gerinnes erfolgt strömungstechnisch günstig und ist hydraulisch glatt. Fugen entfallen, anders als bei geklinkerten Gerinnen. Die Druckfestigkeit liegt über der von Kanalklinker. Monolithische Schächte können früher ausgeliefert werden, da die Klinkerung entfällt.

Weiteres Potenzial sehe ich bei der Formenvielfalt. Dadurch ist es möglich, sich speziellen Randbedingungen anzupassen. Hierzu gehören Beton- und Stahlbetonrohre mit Trockenwetterrinne (z.B. um die Schleppspannung zu erhöhen), Eiprofile, Rechteckprofile mit oder ohne Trockenwetterrinne.

Beton- und Stahlbetonrohre sind formstabil, was bei geringem Gefälle und insbesondere bei der Verdichtung innerhalb der Leitungszone von Vorteil ist. Das Rohr kann seitlich nicht ausweichen und es entstehen keine Unter- bzw. Überbögen. Falls erforderlich und der Auftraggeber auf die Vorteile eines biegesteifen Rohres nicht verzichten möchte, können Beton- und Stahlbetonrohre mit einer Innenauskleidung gegen Betonkorrosion geschützt werden.

Was sind aus Ihrer Sicht die schwierigsten Herausforderungen, mit denen sich die FBS in den kommenden Jahren auseinandersetzen muss?

Eine der schwierigsten Herausforderungen für den sach- und fachgerechten Einbau von Beton- und Stahlbetonrohren wird die zunehmende Automatisierung im Kanalbau sein. Die Hersteller diverser Anbaugeräte suggerieren den Bauunternehmen, dass kein Mitarbeiter den Leitungsgraben betreten muss. Sämtliche Arbeiten wie Ausheben, Verbau, Gründung, Einbau von Bettungsschichten, Einbau der Rohre, Verfüllung, Verdichtung und Ziehen des Verbaus erfolgen durch den Baggerfahrer. Nach den Normen und Richtlinien muss aber die Zwickelverdichtung händisch erfolgen, weil dieser Bereich maschinell gar nicht erreicht werden kann.

Ein weiteres Thema ist die Digitalisierung im Bauwesen, die Vernetzung mit dem Bauunternehmen mit der Verbesserung des Informationsflusses. Die einzelnen Bauschritte oder Planänderungen sind bekannt und haben direkten Einfluss auf die Produktion und Logistikplanung. Die Belieferung der Baustelle wird planbarer, weil der Lieferzeitpunkt, abgestimmt zwischen Fahrer und Baustelle, aktuell ist. Beanstandungen können direkt erfasst und besprochen werden. Die Digitalisierung ist eine Möglichkeit, die Kundenbindung zu fördern.

Ferner wird die Gewinnung von qualifizierten und motivierten Mitarbeitern ein großes Thema bleiben. Im Mittelpunkt steht dabei das Fördern des Nachwuchses an Unis, Hoch-, Fach- und Berufsschulen mit Profiwissen über den Tief-, Kanal- und Leitungsbau durch die FBS-Akademie mit Vorträgen und Praxistagen in den Mitgliedsunternehmen. Obwohl die Kanalisation das größte kommunale Anlagevermögen ist, wird das Planen, Bauen und Instandhalten an den Hochschulen nur am Rande gelehrt.

Konsequent weiter verfolgen müssen wir schließlich die Kernaufgaben der Fachvereinigung, nämlich die Beratung rund um alle technischen Fragen, die Mitarbeit in allen technisch relevanten nationalen und internationalen Fachausschüssen, die Fachberatung vor Ort sowie das Marketing, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu gehört auch, die in den Gremien erarbeiteten Zielstellungen in die Öffentlichkeit zu transportieren.

Herr Valtwies, vielen Dank für das Gespräch!


 

Fachinformationen

FBS Fachinformationen

Bestellen Sie hier alles kostenfrei zum Thema FBS-Betonbauteile: Broschüren, Datenblätter, CD´s und Downloads.

Newsletter

FBS Newsletter

Hier erhalten Sie regelmäßig aktuelle Informationen über FBS-Betonbauteile.

mehr zu Newsletter >>

FBS-Mediathek

FBS Videos

Hier sehen Sie Filme über Herstellung und Einbau von FBS-Betonbauteilen.

mehr >>

Die FBS ist Mitglied in:

Aktionsgemeinschaft - Impulse pro Kanalbau
Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.
Deutsches Institut für Normung e.V.