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Dipl.-Ing. Erich Valtwies nach dem Interview auf der Ifat.Foto: Volker Müller

Dipl.-Ing. Erich Valtwies nach dem Interview auf der Ifat.Foto: Volker Müller

Interview mit Geschäftsführer Dipl.-Ing. Erich Valtwies

Die FBS mag’s nachhaltig

Dipl.-Ing. Erich Valtwies zu aktuellen technischen Entwicklungen bei Rohren und Schächten aus Beton und Stahlbeton. Er nennt Gründe für häufig anzutreffende Schadensbilder im Kanalbau und hält die Einführung von BIM-Prozessen im Tiefbau für „reine Utopie“.

Was sind momentan die großen Themen, die Ihre Mitgliedsfirmen und damit Sie umtreiben?

Valtwies: Das kann man auf zwei Punkte beschränken: Das ist einmal die Dauerhaftigkeit unserer Produkte und zum zweiten die Nachhaltigkeit. Wir verwenden einen Werkstoff, der sich in den letzten Jahren noch einmal klar verbessert hat. Das wird u.a.an der Lebensdauer unserer Rohre und Schächte deutlich. Wir sind da mittlerweile ohne weiteres bei 100 Jahren.

Wir können unsere Produkte also bedenkenlos in allen Kanälen einsetzen.

Welchen technischen Herausforderungen müssen Sie sich stellen?

Valtwies: Eine große Herausforderung ist die Schwefelsäurekorrosion. Es muss unser aller Ziel sein, sie im Kanal zu verhindern. Wir müssen den Kanal und die Kläranlage als ein System verstehen. Kläranlagen funktionieren optimal bei einem ph-Wert von 7. Wenn wir den einhalten, gibt es auch keine Probleme mit Korrosion im Kanal.

Helfen Ihnen hochfeste Betone dabei?

Valtwies: Natürlich. Aber auch hier gibt es Grenzen. Das eingeleitete Wasser darf nicht zu sauer sein. Fakt ist jedoch, dass saures Wasser ohne Vorbehandlung in unseren Kanälen eh nichts zu suchen hat.

Mit hochfesten Betonen und zusätzlichen Auskleidungen können wir die Spielräume bei aggressiven Abwässern jedoch deutlich erhöhen. Das zeigt beispielsweise die Emscher Genossenschaft, die einen speziellen SWB einsetzt, also einen säurewiderstandsfähigen Beton.

Welche aktuellen Entwicklungen gibt es bei den Schächten?

Valtwies: Gerade bei den Schächten und den Schachtunterteilen hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan. Sie werden heute inklusive Gerinne überwiegend monolithisch hergestellt. Auf Klinkerauskleidungen können wir verzichten, weil unsere verwendeten Betone inzwischen fester sind als der Klinker. Zudem sorgen die sehr glatten Oberflächen für günstige hydraulische Bedingen in den Gerinnen. Gerade diesbezüglich haben wir in jüngster Zeit technisch einen großen Schritt nach vorn gemacht.

Wie vorbereitet sind die Rohr- und Schachthersteller auf die Anforderungen von BIM und welche Hilfestellungen können Sie ihnen geben?

Valtwies: Wie andere Verbände beschäftigt auch uns dieses Thema. Wir sehen hier in erster Linie ein EDV-Problem. Denn bringen wir es mal auf den Punkt: Wir liefern qualitativ hochwertige Rohre und Schächte auf die Baustelle. Beides in BIM abzubilden, ist in der Regel kein Problem. Die vorgelagerten und die nachfolgenden Prozesse stellen die eigentliche Herausforderung dar.

Bleibt das Problem der Schnittstellen …

Valtwies: Da bin ich optimistisch, dass das schnell gelöst werden kann. Diesen Eindruck haben wir nach Gesprächen mit der DWA und mit Siemens, Karlsruhe, gewonnen. Uns wurde dabei vermittelt, dass es künftig keine Rolle mehr spielen wird, mit welchen EDV-Systemen Sie planen und entwerfen. Intelligente Programme, so hieß es, werden bald in der Lage sein, alle Informationen, gleichgültig aus welcher Quelle stammend, zu verarbeiten.

Sind die Zulieferer damit im gesamten BIM-Prozess aus dem Schneider?

Valtwies: Der Planer definiert den Prozess. Er sucht auch das geeignete Produkt aus, das eingebaut oder verarbeitet werden soll. Unsere Aufgabe ist es, den Planer über die Möglichkeiten und Vorteile unserer Angebote zu informieren.

Okay, kommen wir zum Verarbeiter. Welche Hilfen bieten Sie dem Tiefbauer an?

Valtwies: Von den Fehlern, die im Tiefbau vorkommen, sind relativ wenige auf Unzulänglichkeiten bei der Planung oder auf Mängel bei den Baustoffen und Materialien zurückzuführen. Nach meiner Einschätzung ist für Baumängel zu rund 90% die falsche Bauausführung verantwortlich.

Wir bieten darum dem Tiefbauer leicht zu verarbeitende Systeme an, die strengen Qualitätsrichtlinien in eigen- und vor allem Fremdüberwachung unterliegen. Einfache Systeme, die logisch und linear eingebaut werden können, schließen Fehler bei den Einbauprozessen weitestgehend aus.

Wie schätzen Sie den Kenntnisstand bezüglich BIM aktuell bei den Tiefbauern ein?

Valtwies: Das ist sehr unterschiedlich. Insgesamt ist das Wissen um BIM in der Branche noch nicht verbreitet. Am ehesten findet man diesbezügliches Know-how bei den größeren Unternehmen.

Vom Hochbau sind wir noch sehr weit entfernt. Das hängt mit der speziellen Situation im Tiefbau zusammen, wo man bei Bauprojekten immer wieder auf Überraschungen stößt, wie das Auffinden von Kabeln und Leitungen, die nirgends vorher im Kataster standen und zum spontanen Handeln zwingen, was den strukturierten BIM-Prozessen diametral entgegensteht.

Ich bin skeptisch, ob wir in unserer Branche jemals nach dem gewünschten Verfahren arbeiten können. Dazu müsste man im Vorfeld mit einer neuen praktikablen und präzisen Messtechnik Kabel, Leitungen und Rohre auch in großen Tiefen orten können. Denn erst dann kann die sinnvolle Planung für ein Bauwerk beginnen.

Dennoch ist es politischer Wille, dass ab dem Jahr 2020 nach dem BIM-Procedere gebaut werden soll …

Valtwies: Das ist für mich eine reine Utopie. Kleine Kommunen können das aus Kapazitätsgründen nicht leisten. Und wenn sie sich an ein Ingenieurbüro wenden, sprengt das ihre Haushaltsbudgets.

Hinzu kommt, dass qualifiziertes Fachpersonal fehlt, sowohl in den Kommunen als auch zunehmend in den Planungsbüros.

Welche Botschaft möchten Sie auf der Ifat den Fachbesucher vermitteln?

Valtwies: Wir möchten mit unserem Auftritt den Fachbesuchern zeigen, dass wir einen dauerhaften, nachhaltigen und vor allem zukunftsfähigen Werkstoff haben. Gleichzeitig kümmern wir uns darum, den Baunachwuchs zu qualifizieren. In den nächsten Tagen kommen angehende Baufachleute von den Hochschulen, denen wir unsere Systeme und deren Anwendung erläutern werden. Das machen wir nicht nur auf der Ifat, sondern permanent. Und es trägt dazu bei, in der Baupraxis fehlerfreie Haltungen aus Rohren und Schächten in Betonbauweise zu realisieren.

Grundlage dafür im wahrsten Sinne des Wortes ist die solide Verdichtung von Auflager und Zwickel, die trotz Automatisierungstendenzen in weiten Teilen händisch geschehen muss. Da geht kein Weg dran vorbei.

Bei der Nutzung von Flüssigboden würden diese Schritte entfallen ...

Valtwies: Das ist richtig, doch auch da müssen wir erst noch Erfahrungen sammeln. Es gibt hier unterschiedliche Systeme, und das IKT macht gerade umfangreiche Untersuchungen.

Ich denke, wir sind hier auf einem guten Weg. Wir wollen uns aber die Untersuchungsergebnisse sehr genau anschauen und prüfen, ob die Bettung stimmig wird und das Material tatsächlich wieder ausbaufähig ist. Wenn das alles gewährleistet ist, haben wir sicherlich ein Top-Produkt.

Im Sinne unserer Themen Dauerhaftigkeit, Nachhaltigkeit und Bauqualität stehen wir hier dem neuen Verfahren ebenso kritisch wie aufgeschlossen gegenüber.

Volker Müller

Zur Person

Dipl.-Ing. Erich Valtwies (64) kann auf über drei Jahrzehnte praktische Branchenerfahrung zurückgreifen. Er ist seit rund zwanzig Jahren Obmann des technischen Ausschusses der Fachvereinigung Betonrohre und Stahlbetonrohre e.V. (FBS), Bonn, zudem ist er seit fünf Jahren 1. Vorsitzender und seit rund anderthalb Jahren deren Geschäftsführer. Dieses Amt wird er bis zum Sommer nächsten Jahres aktiv gestalten und einen Nachfolger für die Position einarbeiten.

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