FBS Rohre

12.12.2017
Pressemitteilung

Rund um den „Ottenhauser Berg“ in Saarbrücken-Gersweiler wird auf einer Länge von etwa einem Kilometer das Abwasserkanalsystem mit einem speziellen Rohrsystem in FBS-Qualität erneuert. Foto: Backes Bauunternehmung AG & Co. KG

Der offene, jeweils maximal 15 Meter lange Graben, wurde als innerstädtisch gestufter Linearverbau erstellt. Die Einbautiefe liegt zwischen 4 und 6 Metern. Foto: Backes Bauunternehmung AG & Co. KG

Das Stahlbetonrohrsystem „Perfect Pipe“ vom Betonwerk Müller aus Achern (hier DN 1200) verfügt über ein optimiertes Fußrohrprofil. Hierdurch erübrigt sich die sonst übliche Zwickelverfüllung. Foto: FBS

Die die bis zu 7 Tonnen schweren Betonbauteile wurden von der Backes Bauunternehmung AG & Co. KG aus Theley mit einem 36-Tonnen Bagger in den Graben befördert. Foto: Backes Bauunternehmung AG & Co. KG

Entsorgungsbetrieb setzt auf FBS-Qualität

Perfect Pipe – nachhaltige Rohre für Saarbrücken

Spätestens seit der letzten Weltklimakonferenz im November 2017 in Bonn, die erneut die krassen Szenarien der Klimaveränderung aufzeigte, ist das Thema Nachhaltigkeit erneut in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion gerückt. Jedermann ist klar, dass ein radikales Umdenken stattfinden muss, damit nachfolgende Generationen in Zukunft einen lebenswerten Planeten vorfinden. Experten sind sich dabei einig, dass nicht nur der CO2-Ausstoß sondern grundsätzlich der Ressourcenverbrauch auf breiter Front reduziert werden muss. Ein Ansatz besteht z.B. darin, möglichst auf besonders langlebige Produkte zu setzen. Im Bereich der unterirdischen Infrastruktur ist diese Maßnahme besonders sinnvoll, denn sind hier die Produkte erst einmal unter der Erde eingebaut, so müssen im Schadensfall für eine Sanierung extrem hohe Ressourcen aufgewendet werden. Ein gutes Beispiel für den Einsatz besonders langlebiger Rohre zeigt die Sanierung des Abwasserkanalsystems rund um den „Ottenhausener Berg“ in Saarbrücken-Gersweiler. Hier kam auf einer Länge von etwa einem Kilometer ein spezielles Stahlbetonrohrsystem zum Einsatz, das aufgrund mehrerer Faktoren besonders dem Nachhaltigkeitsgedanken entspricht.

Seit Juni 2016 arbeitet der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb (ZKE) an der Erneuerung der Kanäle einschließlich der Wiederherstellung der Fahrbahnoberflächen in den Straßen „Am Ottenhausener Berg“, „Hauptstraße“ sowie „Blumenstraße“ im Saarbrücker Ortsteil Gersweiler. Projektleiter Dipl.-Ing. (FH) Michael Grün – zuständig für die Kanalplanung beim ZKE beschreibt die Maßnahme: „Als Eigenbetrieb der Landeshauptstadt Saarbrücken, sind wir für den Betrieb von ca. 1.000 Kilometern Kanalnetz innerhalb der Stadt zuständig. Die Situation Am Ottenhausener Berg stellte sich für uns so dar, dass wir aus zweierlei Gründen hier dringend handeln mussten: Erstens bestand der alte Mischwasserkanal aus völlig maroden Ei-Profil-Rohren, die aufgrund von Sohlaufbrüchen über die Jahre immer wieder neu verklinkert und instandgesetzt wurden. Zweitens wiesen die bestehenden Ei-Profil-Rohre der Nennweiten 600/900 und 800/1200 für die zunehmenden Starkregenereignisse eine zu geringe Leistungsfähigkeit auf“, so Grün.

Mischwasserkanal mit hoher chemischer Belastung
Aus diesen Gründen kam für die Planer nur eine vollständige Erneuerung des Kanalnetzes in Betracht. Dipl.-Ing. (FH) Marc Geib vom ortsansässigen Ingenieurbüro Geib schildert die Anforderungen an die zu verwendenden Rohrmaterialien: „Da wir es hier weiterhin mit einem Mischwasserkanal zu tun haben, müssen wir auch in Zukunft von einer hohen chemischen Belastung der Rohre ausgehen. Deshalb sollten die eingesetzten Materialien möglichst beständig gegen biogene Schwefelsäurekorrosion sein, die die Abwässer verursachen können.“ Neben der chemischen Widerstandsfähigkeit spielte aber auch die Statik der Rohre eine wichtige Rolle. „Wir bevorzugen stets Rohrsysteme, die gut in der Lage sind Biegezugspannungen aufzunehmen“, so Geib.

„Perfect Pipe“ mit erhöhtem Sulfatwiderstand
Vor diesem Hintergrund und weil man bereits vor einigen Jahren im Stadtteil Altenkessel mit diesem System gute Erfahrung gesammelt hat, setzte das Planungsteam hier erneut auf das Stahlbetonrohrsystem „Perfect Pipe“ vom Betonwerk Müller aus Achern. ZKE-Bauleiter Dipl.-Ing. Hermann Rauch erläutert die Gründe, die für dieses System sprachen: „Das monolithisch aus einem Guss gefertigte Betonfußrohr nach DIN EN 1916 und DIN V 1201 ist aus einem geprüften, leicht verdichtenden Beton C 40/50 mit erhöhtem Sulfatwiderstand bis 1.500 mg/l gefertigt. Damit verfügt es über eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen chemische Angriffe und somit gegen biogene Schwefelsäurekorrosion. Die in der Schalung erhärtenden Rohre (Formerhärtung) weisen darüber hinaus für eine hohe Maßhaltigkeit auf“, so Rauch.

Fußrohrprofil sorgt für optimale Statik
Besonders vorteilhaft zeigt sich das Rohrsystem aber auch aufgrund seiner guten Eigenschaften in Punkto Statik. Hierzu Hermann Rauch: „Ein Großteil der hier verbauten Rohre verfügt über ein statisch optimiertes Fußrohrprofil. Hierdurch erübrigt sich die sonst übliche Zwickelverfüllung und -verdichtung. Die Rohrform begünstigt eine geradlinige Lastabtragung im Auflagerbereich, wodurch deutlich weniger Biegezugkräfte entstehen. Aber auch in Längsrichtung sind die Rohre bedingt durch das höhere Trägheitsmoment wesentlich biegesteifer als herkömmliche Kreisprofile“, so Rauch.

FBS-Qualität bietet Sicherheit
Für eine langlebige Qualität sprechen aber auch die Qualitätsrichtlinien, nach denen die Perfect Pipe-Rohre produziert werden. Hierzu Projektleiter Michael Grün: „Der ZKE schreibt grundsätzlich vor, dass Rohre und Schächte aus Beton und Stahlbeton nach den Qualitätsrichtlinien der Fachvereinigung Betonrohre und Stahlbetonrohre e.V. (FBS) gefertigt sein müssen. Diese liegen weit über der Norm und sorgen damit für eine besonders lange Nutzungsdauer der Rohre. Außerdem gibt uns die FBS-Qualität die Sicherheit, dass stets eine geprüfte Qualität eingebaut wird. Auf die Eigenschaften der hier eingesetzten Produkte in Punkto Dichtheit, Tragfähigkeit, und der Hydraulik können wir uns daher verlassen.“ Die FBS-Richtlinien beinhalten eine umfassende werkseigene Produktionskontrolle und stellen eine lückenlose Qualitätsüberwachung von den Ausgangsstoffen über die Herstellung bis zu den Endprodukten sicher. Darüber hinaus sorgt eine halbjährliche Fremdüberwachung durch bauaufsichtlich anerkannte Güteschutzgemeinschaften und Prüfinstitute für die Einhaltung eines hohen Standards.

Stahlbetonrohre – natürlich nachhaltig
Einen Beitrag zur Nachhaltigkeit liefern diese Stahlbetonrohre jedoch nicht nur aufgrund ihrer langlebigen Qualität sondern auch aufgrund ihrer Umweltverträglichkeit, denn sie sind nach Ablauf ihrer Nutzungsdauer leicht zu recyceln und als Baustoff wiederzuverwenden. Darüber hinaus besteht der Werkstoff Beton aus reinen, natürlichen Bestandteilen. Sowohl bei seiner Herstellung als auch beim Recyceln von Beton wird deutlich weniger Energie verbraucht als bei der Herstellung ähnlicher Produkte aus anderen Werkstoffen.

Backes Bauunternehmung  AG & Co. KG aus Theley versetzt Betonbauteile mit einem 36-Tonnen Bagger
Bis zur Fertigstellung der Maßnahme im Frühjahr 2018, werden rund um den Ottenhauser Berg insgesamt 1.042 lfm neue Stahlbetonrohre verbaut sein. (davon Perfect Pipe-Rohre mit Fuß DN 1200 = 372 lfm., DN 500 = 181 lfm., DN 400 = 135 lfm. und 354 lfm Stahlbetonrohre DN 1400 ohne Fuß). Der offene, jeweils maximal 15 Meter lange Graben, wurde mit einem  gestuften innerstädtischen Linearverbau gesichert. Die Einbautiefe liegt zwischen 4 und 6 Metern. Ausgeführt wurden die Arbeit von der Backes Bauunternehmung  AG & Co. KG aus Theley, die die bis zu 7 Tonnen schweren Betonbauteile mit einem 36-Tonnen Bagger in den Graben beförderte. Die Leistungsfähigkeit des neuen Kanalnetzes liegt bei 6000 Litern pro Sekunde.

Abschließend stellt sich noch die Frage nach den Kosten. Hierzu Projektleiter Michael Grün: „Insgesamt wird die Maßnahme etwa 3,2 Millionen Euro kosten. Der Mehrpreis für die Perfect Pipe-Rohre im Vergleich zu herkömmlichem Material liegt bei ca. 2 Prozent – vergleichsweise ein geringer Aufpreis der sich allemal rechnet wenn man bedenkt, wie aufwändig es wäre, bereits nach kurzer Zeit ein defektes Kanalsystem zu erneuern.“


 

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